Ca. 2 Monate vorher:
Bestellung der Patronen, Leuchtraketen und diverser anderer Gebrauchsgegenstände.
Ca. 1 Monat vorher:
Ansuchen um Bewilligung bei der
Bezirkshauptmannschaft Klagenfurt-Land, Abteilung Pyrotechnik.
Gleichzeitig Hoffnung auf Wohlwollen finanzieller
Art (=großzügige Spende) der Suetschacher / Oberkrajacher / Ladinacher und
Unterkrajacher Bevölkerung. Diese Bettelaktion wird manchmal auch bei zufällig
in Suetschacher Tavernen anwesenden Touristen aus Nachbardörfern durchgeführt.
Achtung Falle! Diese geschieht meist listigerweise beim geselligen
Beisammensein.
Ca 14 Tage vorher:
Besichtigung des Terrains, allfällige Reparaturen an der Abschussbasis.
Vorsprache bei Pater Roman bezüglich einer Fürbitte bei Petrus um wohlwollendes
Wetter.
Karfreitag:
Erneutes, verschärftes Besichtigen des Terrains. Reinigung und Trockenlegung soweit als möglich. Bibelgemäßes Kreuztragen und Errichten desselben. Erstes Auftreten diverser Schlepperorganisationen (Stromkabel, Getränke, Beleuchtungskörper, Wasserschläuche, Sicherungsseile) die mit Mordwerkzeugen wir Vorschlaghammer, Axt, Motorsäge usw. ausgestattet sind.
Karsamstag:
Die Anzahl der Schlepper (für Getränke, Kanonen, Patronen usw.) erreicht nach der historischen Feuerweihe um 7 Uhr morgens ihren vorläufigen Höchststand. Um 12.00 wird der 1. Schuss des Jahres losgelassen. Da es keine Kirchenglocken gibt (mit bekannten Suetschacher Reisebüro in Rom), orientiert man sich am hölzernen Klang der Osterratschen und der Feuerwehrsirene.
Danach lockeres Einschießen bis zur Fleischweihe in
Suetschach, wo eine Abordnung oberhalb des Bahnhofes bereits in Stellung
gegangen ist, um den zahlreichen Spenden Tribut zu zollen. Kurz darauf eilt der
Suetschacher Hilfstrupp nach Hause, um die Bohaca, den Eierkren, die Bula und
den Osterschinken zu verkosten. Man schießt mit halber Besetzung und die ersten
Gäste erscheinen bis zur Fleischweihe in Oberkrajach und Ladinach, wo sich
wieder ein Trupp mit Gaskanone und Autoanhänger auf den Weg gemacht hat.
Wenn der Abend naht, erscheinen unsere
Serviertöchter = Frauen, um den schon manchmal recht zahlreichen Gästen reine
Flüssigkeiten einzuschenken.
Ca. 19 Uhr:
Die Mannschaft ist wieder vollzählig, die
Auferstehung beginnt und unser Schießhorst ist Gott sei Dank und Halleluja
ziemlich voll mit Gottesdienstbesuchern, die aus der zum Bersten vollen
Suetschacher Pfarrkirche wegen fehlender Reservierung des Platzes verwiesen
wurden. Gemeinsam warten nun alle gespannt auf die Rückkehr der Glocken aus
Rom. Wenn nun der Klöppel erstmals den Klangkörper der Glocke berührt, gibt es
für unsere Kanoniere kein Halten mehr. Sie wissen, wozu sie da sind und die
Belegschaft inklusive der Gäste vers(t)inkt in Pulverschmauch (soll gut gegen
Motten sein) und Rauch.
Ein weiterer Höhepunkt, der nicht mehr lange auf
sich warten lässt, ist die Auferstehungsprozession. Zum dumpfen Knall der
Böller erhellen nun einige Raketen in Form eines Minifeuerwerkes den
nächtlichen Himmel. Je nach Anfall wird dann noch locker weitergeschossen, aber
das Hauptaugenmerk wird nun auf das gesellschaftliche Erlebnis gelegt. Viele
ehemalige Ortsbewohner, aber auch Besucher aus der Nachbarschaft treffen sich
und tauschen gegenseitig Erinnerungen und Erlebnisse aus. Die Kanonen werden
aus Sicherheitsgründen gegen 22 Uhr abgebaut und gemeinsam mit der restlichen
Munition ins Tal gebracht. So ist ein fröhliches Beisammensein ohne
Unsicherheitsfaktoren bis nach Mitternacht möglich.
Ostersonntag – 5 Uhr:
Unsere Frühaufsteher (erfahrene Schichtarbeiter)
und „Durchmacher“ sind schon zur Stelle und lassen nach neuerlicher Montage der
Kanonen die ersten Weckschüsse los. Nach und nach trudeln die restlichen
„Schiassa“ ein und nehmen ihren Platz am warmen Ofenrohr ein. Man frühstückt
standesgemäß dasjenige, das man am Vortag nach der Fleischweihe auch schon
verzehrt hat (Schinken etc.).
Der Vormittag plätschert dahin, das Kreuz wird
wieder auf einer Tenne verstaut, die Elektroinstallationen werden abgebaut und
es erscheinen unsere Stammgäste zum Osterfrühschoppen.
Geschossen wird bis 12 Uhr und jeder, der um die
Mittagszeit unsere Mitte verlässt, wird gebeten, etwas ins Tal mitzunehmen. (Herzlichen
Dank an dieser Stelle all den braven Schleppern.)
Wir „Schiassa“ treffen uns dann nach erfolgtem Abbau noch auf einen kleinen Umtrunk und Imbiss im Gasthaus (Inhalt siehe Karsamstag – Fleischweihe) und freuen uns, dass niemandem – wie schon so viele Jahre hindurch – etwas passiert ist.
Ostern 2003